Archive for Oktober 2008

Leberkäse Superstar – 4.Akt

Vierter Akt
Erste und einzige Szene.

David und Homajon haben sich in ihrer, überwiegend von Kakerlaken und Silberfischchen bewohnten, Keuschheits-Kommune eingefunden. David rutscht bei dem Versuch sich an der Wand abzustützen, aufgrund der zentimeterdicken Schimmeldecke ab und fällt ungebremst mit dem Gesicht auf den Glastisch.

Homajon (süffisant): Sieh mal einer an wer da jetzt blutend am Boden liegt. Ich dachte deine gesunde Gesichtsbräune würde dich immun gegen Schnittverletzungen machen. (Homajon versucht sich am Anblick  seines schwer verletzten Mitbewohners zu erfreuen, wird jedoch nachdenklicher) Meinst du wirklich, ich habe eine Chance bei Trude, wenn meine Semmel berühmter wird, als die von Rainer?

David (blutüberströmt): Erst mal eines vorweg: meine Immunität beschränkt sich leider nur auf Buntglasscherben und das weißt du ganz genau! Also wisch’ dir dein selbstgefälliges Grinsen aus dem Gesicht (zieht sich die Splitter aus der Stirn) Wenn es um das Thema Liebe geht bin ich der Ansprechpartner Nummer eins. Immerhin habe ich den VHS-Schnupperkurs „Das Paarungsverhalten des südmexikanischen Axolotls“ mit ausgezeichnetem Erfolg besucht. Was bei geschlechtsreifen Schwanzlurchlarven funktioniert, sollte auch gut genug für dich sein.

Homajon: Ich weiß nicht so recht ob ich mir von jemandem Liebestipps geben lassen soll, dessen letzte Beziehung scheiterte, weil ihn seine Freundin mit der eitrigen Angina von nebenan im Bett in flagranti erwischte.

David (greift zur Wundsalbe mit Selbstbräunungswirkstoff): Ich bitte dich, das ist jetzt auch schon fast wieder 12 Stunden her. Menschen ändern sich. Außerdem war es ja auch nicht so wie es aussah, ich wollte nur höflich sein. (cremt sich sein von Wunden übersätes Gesicht ein) Wie dem auch sei, ich habe den perfekten Plan wie du deine Leberkäsesemmel zur weltweit Berühmtesten in ganz Österreich machst und das Herz von Trude eroberst.

Der Vorhang fällt.

NachlesenLeberkäse Superstar – 1.Akt Leberkäse Superstar – 2.Akt Leberkäse Superstar – 3.Akt


Homajon

Add comment Oktober 31, 2008

Das kennen wir doch schon


Quelle: Flickr/Mr. Wright – (CC2-license)

Ein Präsident wird seit jeher von einer speziellen Aura umgeben. Einer Aura, die Macht versprüht, dort wo die Person auftritt. Beim Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist diese Ausstrahlung ganz besonders ausgeprägt. Das macht ihn aber auch anfälliger was mögliche Attentate oder Anschläge betreffen.

1963 ist John F. Kennedy einem solchen zum Opfer gefallen. Vor genau 40 Jahren mussten Martin Luther King und wenige Monate später Robert Kennedy ihr Leben auf ähnliche Art und Weise lassen. Alle drei waren Persönlichkeiten, die für einen Wandel in der damaligen Politik standen.

Wenige Tage vor der Wahl zum nächsten Präsidenten der USA tauchen Meldungen über geplante Attentate auf. Zwei Neonazis sollen die Ermordung Barack Obamas vorbereitet haben.

Auch wenn Obama gelassen auf die Nachrichten reagiert und sich unter seinen Bodyguards sicher zu fühlen scheint, eines darf er nicht vergessen: Er ist schwarz und verspricht einen Wandel. Eine gefährliche Mischung. Für viele Amerikaner unvereinbar mit ihrer Weltanschauung. Auch heute noch. Traurig aber wahr.


Weiterführende Links
Neonazis planten Anschlag auf Obama – Kurier.at
Barack Obama – Der schwarze Kennedy – Focus.de

David

1 comment Oktober 30, 2008

Drohung in der U-Bahn


Quelle: 2gewinnt/Homajon

Die bizarrsten Erlebnisse hat man als Wiener in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier wird man schon mal Zeuge von penetrant geführten Telefonaten über anstehende Untersuchungen beim Gynäkologen oder man erlebt angetrunkene Fahrgäste die erfolglos versuchen drei Stationen lang ihren Brechreiz zu unterdrücken.

Aber nicht alle Begegnungen sind von erheiternder Natur. Wie das folgende Ereignis einer überforderten Mutter in der U-Bahn der Linie U3 beweißt. Ihr Sohn, im Kindergartenalter, quengelte und echauffierte sich lauthals darüber, dass er kein Jolly-Eis im Supermarkt bekommen hatte. Die Frau strafte das Kind beginnend mit gelassener Ignoranz, bis sich der Bub auf den Boden warf und mit den Fäusten gegen die Wagonwand schlug. Damit war für die Erziehungsberichtigte sichtlich der Bogen überspannt und sie tat das was alle Eltern tun, wenn sie vor einem scheinbar unlösbaren Problem stehen: Sie stoßen leere Drohungen aus. Doch in diesem Fall bekam man es sogar als unbeteiligter Beobachter mit der Angst zutun. „Pass mal auf! Wenn du dich nicht sofort benimmst, schicken wir dich runter nach Kärnten. Willst du das?“
Pädagogisch und menschlich gesehen sicherlich verwerflich, aber es zeigte Wirkung und das Kind beruhigte sich.
Dann doch lieber kein Eis als nach Kärnten abgeschoben zu werden. Das ist nur verständlich.

Homajon

5 comments Oktober 29, 2008

Widerliches Österreich


Quelle: 2gewinnt/Homajon

Wie soll man ein Land nennen in dem fast 30 Prozent der Österreicher rechtspopulistische Parteien wählen. Ein Land in dem Asylwerber mit Schwerverbrecher gleichgesetzt und in südlichen Provinzen in Sonderanstalten gesteckt werden. Ein Land das einen Toten als Helden verehrt der das selbige als „ideologische Missgeburt“ bezeichnet und die „ordentliche Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich gelobt hat. Ein Land in dem ein Mitglied einer, laut dem DÖW, rechtsextremen Burschenschaft eines der höchsten demokratischen Ämter bekleidet. Ein Land in dem ein, mittlerweile ehemaliger, Straßenbahnfahrer mit einem „Sieg Heil“-Ruf Fahrgäste belustigt. Ein Land in dem man dem Vorsitzenden der drittstärksten Partei nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Wiens „Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut“ nachsagen darf. Ein Land in dem Fremdenhass und Rassismus als Kavaliersdelikte angesehen werden. Ein Land in dem Frauen bei gleicher Arbeit bis zu 40 Prozent weniger verdienen. Ein Land in dem homosexuelle Mitbürger wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Wie kann man also ein Land in dem solche Zustände herrschen bezeichnen? Wie wäre es mit: widerlich?


Weiterführende Links
Wahl von Graf „Gewissensfrage“ – ORF.at
„Sieg heil“ vom Führerstand – Die Jüdische
Nationalrat: Frauenanteil nur bei 27 Prozent – DiePresse.com
DÖW
Neuer Offener Brief der „Zivilgesellschaft“ gegen Graf – derStandard.at

Homajon

5 comments Oktober 28, 2008

Keiner braucht ihn, jeder hat ihn

Ihn zu haben ist menschlich. Darüber muss man sich keine Sorgen machen. HC Strache hat einen. George W. Bush hat ebenfalls einen. Und der gute Nachbar von nebenan hat zu 100 % auch einen. Manche haben mehr davon, manche weniger. Es gibt ihn in verschiedensten Ausprägungen. Manche verhalten sich wie einer. Andere schauen wie einer aus. Das Gute ist, man kann ihn überall haben. Etwas Universales sozusagen. Völkerverbindend wenn man will.

Wissen Sie was ich bin?

Weiterführende Links
Vertiefende Infos zum Thema – Wikipedia

1 comment Oktober 27, 2008

Leberkäse Superstar – 3.Akt

Dritter Akt.
Erste und einzige Szene.

David kommt wieder zu sich und bemerkt, dass sein Gesicht unbeschadet geblieben ist. Seine Solariumbräune hat ihn immun gegen Glassplitter gemacht.

David (sich nach Homajon umschauend): He, hier geblieben, alter Fuchs! Ich habe es nicht so mit Eiern, Mehl und Zucker. Wo willst du denn schon wieder hin? Ist es dein Herz, das dich führt oder das Leberkäsesemmerl?

Homajon: Trude hat mir ein Zeichen gegeben. Ich muss mein Semmerl mit ihr teilen. (Er schaut verliebt ins Nichts)

Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ohne Ankündigung, kommt ein Mann um die Ecke.

Rainer Zufall: (überrascht) Wow, Homajon! David! Das hätte ich mir nicht gedacht, dass ich euch hier treffe. Kann mir jemand sagen, wo ich die besten Leberkäsesemmeln Wiens finde? (Den Arm zum Himmel streckend) Ich habe von der Frau meines Lebens ein Zeichen erhalten. Trude will, dass ich ein Leberkäsesemmerl mit ihr teile. Wisst ihr zufällig was das zu bedeuten hat?

Homajon, fragend und mit schmerzverzehrtem Gesicht, wendet sich von Rainer ab.

David: (das Wort ergreifend) Das ist ganz klar: Es handelt sich hier um einen Wettbewerb! Eine Frau, zwei Leberkäsesemmeln. Derjenige mit dem bekannteren Leberkäse gewinnt.

Rainer Zufall: Was? Homajon? Aber ich dachte du wärst…(verstummt) Du hast keine Chance! Trude gehört mir.

Homajon: (kämpferisch) Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich weiß etwas, was du nicht weißt!

Der Vorhang fällt.

NachlesenLeberkäse Superstar – 1.Akt Leberkäse Superstar – 2.Akt
David

Add comment Oktober 24, 2008

Auf zur Saualm

Um nicht von den rechten (und in Wirklichkeit einzig wahren) Österreichern als linker Gutmensch verunglimpft zu werden betätige ich mich im Volkssport Nummer eins unserer wunderschönen, provinziellen Alpenrepublik. Denn jeder soll es wissen: ich bin ein waschechter Patriot und tue was ein ebensolcher tun muss – immerhin geht es jetzt um uns Österreicher. Deshalb war ich gezwungen mich von meinem Co-Autor David zu verabschieden. Er wollte sich einfach nicht integrieren. Hart aber gerecht:

Ab heute erwartet Sie wöchentlich ein laienhaft dargestelltes Wortspiel ohne Pointe, dafür mit hohem Ratespaß für die ganze Familie. Wenn Sie den dargestellten Begriff mit vier bis 126 Buchstaben herausfinden, rufen Sie uns einfach an. Mit ein wenig Glück wählt Sie der Hotbutton aus und Sie gewinnen einen Umschlag mit heißer Luft. Also schnell mitmachen unter der Nummer: 0123 1256²12³x>5>y 27≥z256+∫ (25µ+7)-½ (459 Euro/sek.)

Homajon

Add comment Oktober 22, 2008

Kein Schnee von gestern


Quelle: Flickr/Dev Null

Leicht hat man es zurzeit nicht als Österreicher. Ganz besonders wenn man ein sportaffiner Mensch ist. Die Seen sind schon zu kalt und Schnee liegt noch keiner auf den Bergen. Und als wäre das nicht schon tragisch genug, muss der Einheimische weitere Schicksalsschläge über sich ergehen lassen. Dass das Fußballnationalteam von einer Tragödie in die Nächste schlittert, ist noch einigermaßen erträglich. Der Mensch lernt mit Gewohntem umzugehen. Dass uns aber unser größter Raderfolg auch noch weggenommen wird, gibt uns den Rest. Dieses hinterhältige Doping gehört endlich hinter Gitter. Und zwar lebenslang, damit der unschuldige, nichts ahnende „Ösi“ nicht mehr von ihm missbraucht werden kann. Nicht einmal beachtliche Tischtennisergebnisse können uns aus unserer Lethargie befreien. Ach, wie sehr hasse ich das Warten auf unser einziges sportliches Highlight.

Österreicher, verbindet euch, trotzt dem Klimawandel und sehnt die nächste Eiszeit herbei. Schnee ist wie Balsam für unsere geschändete Sportseele. Leise werden sie rieseln, die Siege. Und dann können wir endlich wieder stolz sein.

Andere mögen vier Jahreszeiten haben, du glückliches Österreich, brauchst nur eine!

Weiterführende Links
Österreich holt mageren Punkt gegen die Färöer Inseln – Kurier.at
Radprofi Kohl gesteht Doping – Sportal.at
Österreich holt 5 Medaillen bei Tischtennis-EM – DiePresse.at

David

Add comment Oktober 20, 2008

Leberkäse Superstar – 2.Akt

Zweiter Akt.
Erste und einzige Szene.

Homajon sitzt vor der Supermarktfiliale auf einer Parkbank. Er versucht die Leberkäsesemmel aus der Thermofolie, in der sie verpackt ist, zu befreien. Dabei versinkt er in Gedanken.

Homajon (zu sich selbst): Kann sie es wirklich sein? Ist sie die Richtige? Diese wundeschönen, blutunterlaufenen Augen in denen ich mich fast verloren habe. Dieser herzerweichende, provinziale und dominante Kärntner-Akzent, der mir zugleich das Gefühl von Geborgenheit und spontan-manischen Angstzuständen gab. Ich habe die Zeichen erkannt, sie empfindet dasselbe für mich. Sie muss einfach. Anders sind die herzförmigen Schweißflecken unter ihren Armen und das natürliche Lächeln, das ihre durch Nikotin eingefärbten Zähne zeigt, nicht zu erklären. Ja, das Fräulein Trude ist die Frau mit der ich mittelfristig alt werden möchte.

Homajons schizoides Gebrabbel wird durch das plötzliche Auftauchen seines langjährigen Häkel- und Falsettgesangspartners unterbrochen.

David (setzt sich neben Homajon): Ich traue meinen trüben Augen nicht: Homajon, alter Freund und Kupferstecher was machst du denn hier? Wie läuft’s bei dir? (wartet, seinem Naturell entsprechend, die Antwort nicht ab) Ich komme gerade von meiner Tanorexie-Selbsthilfegruppe. Hast du gewusst dass es tödlich enden kann, wenn man sich alkoholisiert und mit Insektenvertilgungsmittel eingerieben auf die Sonnenbank… (nickt plötzlich, aufgrund seiner schweren Narkolepsie-Erkrankung, ein).

Homajon versucht den Schlafzustand zu nutzen um unauffällig die Szenerie zu verlassen. Doch David erwacht ebenso spontan wie er eingeschlummert war.

Homajon: Ich versuche gerade in Ruhe meine pikante Leberkäsesemmel zu genießen.
David: Kein Problem, plaudern wir eben danach weiter
Homajon: …oder du schickst mir eine Mail wenn du daheim bist.
David: Klingt gut. Glatt oder Griffig?
Homajon: Wie es dir beliebt. Klären wir das einfach im 3.Akt, einverstanden?

Doch David ist bereits abermals eingenickt und dabei äußerst unglücklich von der Parkbank auf den davor gelegenen Radweg in eine Anhäufung von Buntglasscherben abgerutscht.

Vorhang fällt.

Nachlesen
Leberkäse Superstar – 1.Akt

Homajon

1 comment Oktober 17, 2008

Subtil

Man kann das Ergebnis der Nationalratswahlen auch durch die Blume kommentieren:

Rosetten - 30 Prozent; 2gewinnt/Homajon
Rosetten Minus 30 Prozent – Photoquelle: 2gewinnt/Homajon

Wobei bezweifelt werden darf, ob sich das ungewollt doppeldeutige Schild im Auslagenfenster wirklich auf die fast 30 Prozent Rechtswähler bezieht.

Homajon

1 comment Oktober 15, 2008

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