Archive for Januar 2009

Eine Auszeit geht noch!


Quelle: 2gewinnt/Homajon

David und ich waren in den letzten Tagen äußerst unproduktiv. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir versuchen unsere zwischenmenschlichen Kontakte miteinander auf ein Minimum zu reduzieren (unter anderem weil wir beide einen äußerst unangenehmen Körperduft verströmen). Auch Davids schwerer Rodelunfall, dessen Folge ein dreifacher Splitterbruch im linken Ohrläppchen ist, zwingt uns wieder einmal zu einer Auszeit. Denn mein Co-Autor braucht nun eines: Ruhe.

Ich hingegen werde in der Zwischenzeit nicht untätig sein, im Gegensatz zu meinem tollpatschigen Protege. In den nächsten sieben bis zehn Tagen werde ich versuchen soviel zu fressen wie ich kotzen möchte. Denn wenn in Österreich der dritte Nationalratspräsident Mitglied einer (laut DÖW) rechtsextremen Burschenschaft ist, einige seiner Mitarbeiter mutmaßlich irgendwelche dubiosen T-Shirts (oder wie es auf der Versandseite heißt: T-Hemden) bestellen, eine seiner Parteikolleginnen – nichts rechtskräftig – wegen Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren zu drei Monaten bedingter Haftstrafe und 24.000 Euro Geldstrafe verurteilt wird, ein Landeshauptmann öffentlich unhaltbare und geschmacklose Stammtischwitze erzählt und sich keiner im Land über all das empört zeigt, bleibt einem nur noch der Vomitus (lat. das Erbrechen).

Homajon

Add comment Januar 26, 2009

Keinen Sinn für Humor

Einen guten Witz zu erzählen ist eine wahre Kunst. Es ist oftmals schwierig den Spannungsbogen hin zur grandiosen Pointe aufzubauen. Entweder es gelingt einem oder man verhaut den Witz indem man die Pointe bereits zu Beginn einbaut. Dann versucht man unbeholfen mit den Worten  „…warte, das war anders. Genau das Pferd sagt dann…nein. Ach egal, ihr kennt’s ihn wahrscheinlich eh schon.“ die Stimmung doch noch irgendwie zu retten. Am Ende hält der Erzähler sich und seinen Gag trotz alledem immer noch für äußerst amüsant.

Gerhard Dörfler erzählt offenbar auch gerne „Witzchen“. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er bei einer Pressekonferenz einen geschmacklosen Witz zum Besten gibt. Korrektur: vermeintlich geschmacklosen Witz. Denn der Landeshauptmann erklärte im Kurier: „Ich habe keinen Neger- sondern einen Kakao-Witz erzählt“. Eben, ihr linken Gutmenschen: einen harmlosen Kakao-Witz – sonst nichts. Also keinen Grund zur Aufregung!

Vielleicht sollte Herr Dörfler einmal den Begriff „Witz“ nachschlagen. Der essenzielle Kern eines solchen ist nämlich, er sollte witzig sein (darum auch „Witz“ und nicht „pointenloses Stammtischgestammel“).

Wäre dies nicht in Österreich, oder wie in diesem Fall in Kärnten, passiert, müsste man dem Landeshauptmann fast einen Rücktritt nahe legen. Zumindest in allen anderen demokratischen Staaten wäre ein Politiker nach einem solchen Fauxpas rücktrittsreif.

Weiterführende Links
Aufregung über „Negerwitz“ des Landeshauptmanns – derstandard.at
Gerhard Dörfler erzählt „Negerwitz“ – kurier.at

Homajon

4 comments Januar 21, 2009

Brief ans Weiße Haus


Quelle: Flickr/Zohar Manor-Abel (cc-license)

Lieber Barack Hussein Obama,

Jetzt einmal ganz ehrlich: Bist du bereit? Willst du überhaupt Präsident werden? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du dir darüber im Klaren bist, was dich da alles erwarten wird. Deswegen dieser Brief an dich, der ein paar essentielle Ratschläge enthält. Befolge sie und es wird dir genauso gut gehen wie mir.

Erstens: Kümmere dich um deine Berater. Behandelst du sie gut, brauchst du im Grunde genommen nicht viel machen. Jeder soll dir seine Meinung preisgeben, du suchst dir dann die aus, die am besten klingt. Glaub mir, somit bleiben dir viele Sorgen erspart. Du kannst dich dann auf wichtige Dinge konzentrieren. Hast du eigentlich Haustiere?

Drittens: Falls dir keine Idee der anderen gefällt, frag einfach ihn da oben. Er ist immer da und weiß was zu tun ist. Er hat mir schon so sehr geholfen. Auch beim Alkohol. Falls du damit übrigens auch Probleme haben solltest, du weist wen du anrufen musst.

Viertens: Das Weiße Haus ist wirklich groß. Wie oft ich mich dort schon verlaufen habe! Um diese mittelschwere Katastrophe gar nicht erst zuzulassen, hier ein kleiner Tipp: Ich habe mir jeden Morgen den Plan des Hauses auf meine Hand gemalt. Wirkt wirklich Wunder.

Fünftens: Wenn du mal an den Punkt kommst, wo du einfach nicht mehr weißt, was du tun sollst (Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung), dann winke einfach. Das, kombiniert mit einem aufgesetzten Lächeln, und alles ist wieder gut.

So, mehr Tipps habe ich leider nicht auf Lager, dafür war ich einfach nicht lang genug an der Macht. Ich dachte immer wenn man nichts macht, vergeht die Zeit viel langsamer.

Vergessen wirst du mich ohnehin nicht, dafür habe ich gesorgt. Möge mein Schutthaufen jetzt deiner sein.

Viel Glück

W.

P.S.: Lass die Finger von den Vollkornbrötchen mit der Wurstfüllung. Die geben da so eine komische Soße rein. Ich habe mich acht Jahre lang mit denen aus der Küche gestritten. Was glaubst du wie viele schlaflose Nächte mich dieses Dilemma gekostet hat!

David

1 comment Januar 20, 2009

Wortspiel Zyklus Teil 2

Jeder Zyklus – nicht zu verwechseln mit Zyklop, denn der hatte nur ein Auge und war eher ein mittelmäßiger Charakterdarsteller – muss ein perfekt abgerundetes Ende finden. Unserer tut dies hervorragend. Als Produzenten, Regisseure und Hauptdarsteller haben wir darauf geachtet die fünf dramaturgischen Elemente in beiden Episoden zu berücksichtigen. So finden sich im ersten Teil sowohl Exposition als auch das erregende Moment. Heute folgen die Klimax, das retardierende Moment und die abschließende Katastrophe.
In diesem Sinne halten Sie bitte Taschentücher und Spuckbeutel bereit. Denn mit „Rückkehr des Juckreizes“ haben 2gewinnt ein emotionales Meisterwerk geschaffen, bei dem kein Auge trocken bleiben wird.

Add comment Januar 19, 2009

Leberkäse Superstar – 13.Akt

Dreizehnter Akt
Erste und einzige Szene

Unsere beiden Lieblinge haben nach langem, verzweifeltem Suchen das mobile Schurken-Hauptquartier aufgefunden. Zögerlich, aber doch entschlossen klopfen sie an der Eingangstüre.

Homajon: (zu David) Ich bin so froh, dass es die Auskunft gibt. (beginnt plötzlich zu singen) elf acht acht elf, eeeellllffff aaaacccchhhht aaaacccchhhhhttt eeeeelllllffff, die Nummer: freundlich und …

David: (unterbricht den grauenvollen Gesang) Ruhe Homajon! Hörst du nicht? Da tut sich was an der Türe.

Lautes Knarren folgt einem Summen. Die Eingangstüre öffnet sich einen Spalt.

Homajon: (in seiner eigenen Welt) eeeeellllllllfffffff aaaaaaaacccccccchhhhhhhttttt…

David: (bestimmend) Gibst du jetzt eine Ruh’! Komm, lass uns reingehen!

Beide betreten den herabgekommenen Wohnwagen.

Homajon: (greift sich an die Nase) Puh, hier stinkts aber!

David: (kopfschüttelnd) Nicht schon wieder! Ich dachte du hast deine Kakosmie überstanden? Gibt es eigentlich eine Krankheit, die du nicht hast? (nimmt ihn am Arm) Komm schon, weiter!

Homajon: (erschrocken) Da! Mendoza-Sackfried! Sprich: Wo ist mein Semmerl?

Mendoza-Sackfried: (beim Drehen des Sessels, springt ein Kater von seinem Schoss) Willkommen in meinem bescheidenen Zuhause! Habt Ihr Lust auf ein Spiel? Die Regeln sind sehr simpel: Folgt einfach immer den Anweisungen! Aber denkt daran: Seid Ihr einmal im Spiel, könnt Ihr nicht mehr aussteigen. Und jeder kleine Fehler kann fatale Folgen haben!

Der Vorhang fällt.

Nachlesen
Leberkäse Superstar – 1.Akt
Leberkäse Superstar – 2.Akt
Leberkäse Superstar – 3.Akt
Leberkäse Superstar – 4.Akt
Leberkäse Superstar – 5.Akt
Leberkäse Superstar – 6.Akt
Leberkäse Superstar – 7.Akt
Leberkäse Superstar – 8.Akt
Leberkäse Superstar – 9.Akt
Leberkäse Superstar – 10.Akt
Leberkäse Superstar – 11.Akt 
Leberkäse Superstar – 12.Akt 

David

Add comment Januar 17, 2009

Ein Graf hat’s schwer


Quelle: Flickr/Lori and The Bell Jar (cc-license)

Als Graf hat man es in dieser Welt wahrlich nicht einfach. Immer wird man die Zielscheibe von Neid, Hass und Missgunst. Die Geschichte zeigt dies hervorragend am Beispiel Graf Draculas. Der arme Mann plante sein Leben friedlich in Transsilvanien zu fristen. Er wollte niemanden etwas Böses, nur in Ruhe gelassen werden. Tagsüber hat man von ihm kein Sterbenswörtchen gehört und nachts verhielt er sich ebenfalls vorbildlich ruhig. Zugegeben ab und an trank er ein Gläschen Blut über den Durst aber nur das von Armen und Schwachen. Genau wie es die Raubkatzen in der Steppe tun. Niemand würde je auf die Idee kommen einen Löwen als Monster zu denunzieren. Er erhält das natürliche Gleichgewicht der Wildnis. Genauso wie es Graf Dracula getan hat. Dennoch erntete er statt Dank und Respekt nur den Groll aufgebrachter Bürger, die ihn mit brennenden Fackeln und wild fuchtelnden Mistgabeln aus dem Dorf vertrieben.

Erst vor kurzem haben Historiker zufällig Draculas „I love Kitty“-Tagebuch im Keller einer Blutbank entdeckt. Da heißt es unter anderem:

„Liebes Tagebuch, wurde heute wieder von einem wütenden Mob durch das Dorf gejagt. Habe durch die Aufruhr und die ständige Hetze schon über 10 Kilo an Gewicht verloren. Bin nur noch Eckzähne und Knochen. Ich sollte mich von dem ganzen Blutsaugerdreck, mit dem ich wahrlich nichts zutun habe, einfach öffentlich distanzieren. (…) Aber muss jetzt wieder in meinem Schlafsarg… ähh… -sack, war eine lange Nacht heute. Alles Liebe.“

Man kann nun stehen wie man will zu Graf Dracula (es gilt immer noch die Unschuldsvermutung), aber in einem Punkt war er immer ein Vorbild: er ließ stets seine Kutsche stehen, wenn er mal wieder zuviel Blut im Blut hatte.

Homajon

Add comment Januar 15, 2009

Stolz sieht anders aus


Quelle: Flickr/bobster1985 (cc-license)

Nicht mehr lange – knapp eine Woche noch – und Barack Obama wird endgültig den mächtigsten Platz der Welt einnehmen. Um das Erbe, das ihm GWB hinterlässt, ist der gebürtige Hawaiianer aber wahrlich nicht zu beneiden. Zwei Kriege, im Irak und in Afghanistan, und die größte Wirtschaftskrise seit 1929 türmen sich wie eine riesige, unüberwindbare Wand vor dem auserwählten Retter einer ganzen Nation auf.
Bevor aber das Zepter übergeben wird, hat es sich der Noch-Präsident nicht nehmen lassen ein Resümee über die letzten acht Regierungsjahre zum Besten zu geben.

„Wenn ich nach Texas zurückgehe und dort in den Spiegel schaue, bin ich stolz auf das, was ich sehe“ (Quelle: orf.at). Was sieht denn Herr Bush, wenn er in den Spiegel schaut? Oder was für einen Spiegel besitzt der gute Herr, dass ihn das Gesehene stolz macht?
Klar, Selbstkritik setzt viel Selbstbewusstsein voraus. Es gibt einfachere Dinge. Über andere zu lästern und die Schuld von sich zu schieben ist da viel einfacher. Aber ist es nicht traurig, dass nicht einmal in den letzten Stunden seiner Amtszeit ein Redenschreiber gefunden wurde, der es vermag einen realistischen Blick auf die Geschehnissen in der Welt zu werfen?

Wäre ich Angestellter unter dem derzeitigen amerikanischen Präsidenten, mit der ehrenvollen Aufgabe seine Reden zu verfassen, dann hätte ein Wort mit absoluter Sicherheit keinen Platz darin: Stolz. „Liebes Volk, ich bin stolz darauf, dass die Kacke gerade ziemlich am Dampfen ist!“.
Aber George Walker Bush – seien wir uns doch alle einmal ehrlich – ist im Grunde genommen nicht mehr als ein armer Hund. Er wird als Marionette von Alteingesessenen aus dem Hintergrund missbraucht und ist sich dessen nicht einmal bewusst. Er begnügt sich lediglich damit acht Jahre lang den Platz hinter dem „Resolute“-Schreibtisch im Oval Office bewacht zu haben.

Revue betrachtet, sollte das Mitleid aber gar nicht GWB gelten. Er hat in dieser ganzen Angelegenheit nur eine Teilschuld. Mitleid sollte man den Menschen gegenüber empfinden, die dem Mann aus Texas ihre Stimme gegeben haben. Wenn stört es, wenn Mr. Bush auf seiner Ranch mit seiner Dummheit für Furore sorgt? Eben. Aber bitte doch nicht im Sessel des mächtigsten Menschen der Welt.
Für alle, die GWB gewählt haben: Hofft, dass der dunkelhäutige Senator aus Illinois alles wieder zu Recht biegen kann.

David

Add comment Januar 13, 2009

Wortspiel Zyklus – Teil 1

Fortsetzungen sind niemals so gut wie die das Original. Zumindest ist das in der Filmbranche so. Die Triebfeder eines Sequels ist in den meisten Fällen Geldgier. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass diese nur durch Ideenarmut, schlechte Drehbücher und noch schlechtern Schauspielern bestechen.
Bei unserem zweiteiligen Wortspiel Zyklus ist das nicht so, da finden sich bereits im ersten Teil all diese Eigenschaften. Und (im Deutschunterricht wurde uns immer eingetrichtert niemals einen Satz mit „und“ zu beginnen, aber heute zeig e ich diesem absurden Verbot den Stinkefinger – FUCK THE SYSTEM!) Zyklus nennt sich der Zweiteiler deshalb, weil ein loser inhaltlicher Zusammenhang besteht.
Sollte es ein Erfolg werden, sind wir für ein gut bezahltes Remake oder weiteres Sequel mehr als offen.

Add comment Januar 12, 2009

Leberkäse Superstar – 12.Akt

Zwölfter Akt
Erste und einzige Szene

Voller Tatendrang und Zuversicht die Semmel aus den Klauen von Mag. Alesandro Jesus del Morte dela Mendoza-Sackfried zu befreien, betreten David und Homajon die Stadthalle. Prompt laufen sie ihrem Erzfeind in die Arme.

Homajon (verärgert): Das war eine Falle. Wir hätten es wissen müssen!

Mendoza-Sackfried: Nur die Ruhe, ihr seid mir nur zufällig über den Weg gelaufen. Die Zeiten sind momentan hart für Bösewichte deshalb jobbe ich hier von Zeit zu Zeit als Pförtner. Die Bezahlung ist gut und das Arbeitsklima ist wirklich hervor…

David (unterbricht Mendoza-Sackfried lautstark): Was willst du, Alesandro? Bist du immer noch sauer wegen der Geschichte mit deiner Ex-Frau in Rio? Wie oft soll ich mich noch dafür entschuldigen?

Mendoza-Sackfried: Pssst, beruhig dich. Ich kann leider während der Arbeitszeit nicht meinen Rachengelüsten frönen sonst bin ich den Job hier sofort los. Wir können uns nach meiner Schicht im mobilen Schurken-Hauptquartier treffen. Ich warte dann dort auf euch. Wie immer in einem schlecht ausgeleuchteten Raum, wo ein Schatten immer dermaßen unvorteilhaft fällt, dass man mein Gesicht kaum erkennt und einem weißen fettleibigen Kater im Schoss.

Homajon (mit weit aufgerissen Augen und geballten Fäusten): Gut, lass uns diese Tradition nicht brechen. Aber wehe du hast der Semmel auch nur einen Brösel gekrümmt…

Der Vorhang fällt.

Nachlesen
Leberkäse Superstar – 1.Akt
Leberkäse Superstar – 2.Akt
Leberkäse Superstar – 3.Akt
Leberkäse Superstar – 4.Akt
Leberkäse Superstar – 5.Akt
Leberkäse Superstar – 6.Akt
Leberkäse Superstar – 7.Akt
Leberkäse Superstar – 8.Akt
Leberkäse Superstar – 9.Akt
Leberkäse Superstar – 10.Akt
Leberkäse Superstar – 11.Akt

Homajon

Add comment Januar 9, 2009

Das Schicksal und seine Spielchen

Es hätte so schön werden können. Ja ok, es war auch schön. Nur leider nicht bis ganz zum Schluss. Was bleibt: eine Erfahrung fürs Leben.
Was ist passiert? Na ja, was halt so passiert, wenn zwei junge Menschen sich ein paar Tage zum Entspannen in einen österreichischen Ferienort begeben. Die Skier werden auf perfekt präparierten Pisten geschwungen, die bleichen Wiener Gesichter unter der alpinen Sonne gebräunt. Und als wäre uns das Glück nicht bereits hold genug, durfte der ganze Großstadtstress auch noch auf finnische Art und Weise rausgeschwitzt werden. Die klirrende Kälte konnte uns ebenso wenig unsere Stimmung vermiesen wie die vielen Gäste aus dem schönen Italien. Wenn es dann am Heimweg auch noch zu schneien beginnt, muss man gegen die eine oder andere Freudenträne ankämpfen. Aber im Leben geht es oftmals Schlag auf Schlag.
Vom warmen Bett träumend und den perfekten Tag Revue passieren lassend, standen wir vor der Eingangstür. Ja, Ihre Vorahnung stimmt: Kein Schlüssel, kein Weiterkommen. Im fortschrittlichen Kommunikationszeitalter kein Problem! Einfach in den sauren Apfel beißen und den lieben Herrn Schlosser zu sich bitten. Spätestens seit dem Abend wissen wir: Dorf ist nicht Stadt. Die zwei einzigen Meister ihrer Zunft lassen bis auf das Klingeln nichts von sich hören. Keine 24 Stunden Service Hotline, keine Hilfe rund um die Uhr. Kein Schlüssel? Pech gehabt! Die Kirsche auf der Torte lässt sich mit einem kleinen mathematischen Rechenbeispiel veranschaulichen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Handyakkus zeitgleich ihren Geist aufgeben? Und so standen wir noch immer da, die Türe noch immer verschlossen. Mittlerweile tauchten wir in die tiefen Stunden der schwarzen Nacht ein. Die Kälte gab es kostenlos dazu. Somit bekamen wir endlich die Chance, unseren Jungfernschlaf im Auto abzuhalten. Auto? Warum denn nicht Hotel, Pension, Gasthof? Die Gegend hier ist in der Hinsicht doch wahrlich nicht minder bestückt. Hauptsaison! Wenn ein Wort Bände spricht. Also zurück zum Auto. Im Nachhinein betrachtet ist mir klar geworden wofür die Autos erfunden wurden: zum Fahren! Genau das haben wir auch gemacht. Selbstverständlich nur damit die Heizung uns ein bisschen Wärme schenkt. Im 45 Minuten Takt haben wir also unsere wärmende Runde im verschneiten Örtchen gedreht. Schlafen hat es also eher weniger gespielt. Zwei verwöhnte Wiener ohne Dach überm Kopf, bei minus Temperaturen im Auto „schlafend.“ Hunger, Durst und Kälte: Wahrlich keine Begleiterscheinungen, die man sich von einem Entspannungswochenende erwartet. Immer fragt man sich wer denn bitte um 7h30 einkaufen geht. Und ganz plötzlich ist man stocksauer, dass man nicht schon zeitiger Lebensmittel erwerben kann.
Eines vorweggenommen: Des Rätsels Lösung ist vergleichsweise unspektakulär. Die Hausbesitzerin, die wir die ganze Nacht vergeblichen zu erreichen versuchten, teilte uns mit Anbruch des Tageslichts mit, dass eine Nachbarin einen Zweitschlüssel besitzt. Und da waren wir dann endlich: im Bett! Ein paar Stunden in Verzug, aber mit einer Erfahrung reicher: Es geht uns einfach viel zu gut! Jeder der einmal verzweifelt versucht hat, ein Dach überm Kopf zu finden, weiß, dass es im Leben um viel mehr geht, als wir Menschen in der westlichen Welt zu denken glauben. Danke liebes Schicksal für diesen lehrreichen Streich!

David

 

1 comment Januar 8, 2009

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