Posts filed under 'Leben'
Richtigstellung – eine Anmerkung
David ist ein guter Mensch, ein gütiger und kritischer Idealist (kein Sarkasmus). Als ich seinen gestrigen Beitrag („Richtigstellung„) gelesen habe, musste ich das Bild über meinen Co-Autor zwar nicht revidieren aber erweitern. Ja, David könnte auch hervorragende PR-Aussendungen schreiben, das war ja schon einmal ein guter Übungstext. Ohne das Schicksal seiner Verwandten herabwürdigen zu wollen, aber so ein Text ist in einem (zumindest theoretisch) öffentlichen Medium fehlplaziert. Ein solch emotionales Dankschreiben wäre vielleicht als Brief an die Leitung des Geriatriezentrums eine idealere und elegantere Lösung gewesen.
Emotionale Befangenheiten, wie in diesem Fall, beeinträchtigen die Wahrnehmung und den kritischen Blick auf die Gesamtheit der Dinge. Wir leisten hier keine Öffentlichkeitsarbeit für etwaige Institutionen. Der Zugang sollte immer kritisch und/oder satirisch sein. Lobeshymnen, berechtigt oder nicht, haben immer einen fahlen Beigeschmack.
Unser Blog ist für beide Autoren eine offene Spielwiese für Texte, Idee und kreative Sinn- und Unsinnigkeiten. Deswegen ist, trotz meiner Kritik, Davids Text sehr wohl gerechtfertigt – da es sich letztendlich um reales Einzelerlebnis mit persönlichem Zugang handelt.
Ich möchte nur dem eventuell aufkeimenden Anschein entgegenwirken, wir seien meinungsflexible Medienhuren, die unkritisch und ungefiltert die Welt wiedergeben.
Add comment November 19, 2009
Richtigstellung
Die folgenden Zeilen sind im Namen meiner geliebten Großmutter geschrieben, die gerne ein paar Gedanken loswerden möchte.
Quelle: Flickr/ /aw/ (cc-license)
Ich möchte mich gerne bedanken. Bedanken beim Geriatriezentrum Wienerwald. Das umbenannte, ehemalige Zentrum Lainz war lange aufgrund von diversen Vorfällen unter den Pflegeheimen verschrien. Eine Tatsache, die zumindest die gegenwärtigen Zustände nicht widerspiegelt. Meine Schwägerin, Frau Rosa Fingerl, hat die letzten 4 ½ Monate ihres Lebens dort verbracht. Nach anfänglicher Abneigung ein Pflegeheim zu besuchen, durfte sie in den letzten Zügen ihres Lebens erfahren, was es heißt eine schöne, rundum Betreuung zu genießen. Es waren aber nicht nur die Pflegebedürftigen selbst, die die Wärme der PflegerInnnen und ÄrztInnen (hier möchte ich ganz besonders Herrn Dr. Tiefenbacher hervorheben) zu spüren bekamen. Auch den zahlreichen Angehörigen wurde eine erfüllende Begleitung der Geliebten ermöglicht. Regelmäßige Heurigennachmittage an der frischen Luft der idyllischen Gartenanlage waren für alle Beteiligten immer wieder willkommene und äußerst unterhaltsame Ablenkungsmöglichkeiten. Selbst nach dem Tod meiner Schwägerin erwies sich das Geriatriezentrum Wienerwald als zuvorkommende Institution, die besonders großen Wert auf das Wohl der Menschen legt. Eine harmonische Verabschiedung lässt die Trauer über den Verlust einer geliebten Person erträglich werden.
Dass unser Bürgermeister die Gründe des Pflegeheimes bereits verkauft hat und Luxuswohnungen und Hotels für die oberen Zehntausend unserer Gesellschaft dort errichten will, ist einerseits unsäglich schade, andererseits ein trauriges, aber klares Zeichen in Richtung der hilfsbedürftigen Menschen, denen eine der wenigen Oasen Wiens genommen wird.
1 comment November 18, 2009
Gedanken zum Protest
Feuer – die Uni brennt
Reiche Eltern für alle
Eingangstests abschaffen
Internationale Solidarität
Engagierte Bildungspolitik
Besetzung als Weckruf
Instituten unter die Arme greifen
Leistungsdruck vermindern
Diskussion innerhalb der Gesellschaft
Umverteilung des österreichischen Budgets
Nein zu sozialer Selektion
Gerechter Zugang für alle
Fachidioten abschaffen
Unterstützung für die Studierenden
Einsparungen am falschen Platz
Recht auf Bildung
Audimax als Symbol der Bewegung
Lernen fürs Leben
Lehren statt Einsparen
Eine öffentliche Aufmerksamkeit schaffen
Add comment November 11, 2009
Nicht von dieser Welt
Faksimile: „Pack’n'go“/Penny Markt
Heutzutage ist es üblich, dass die klassischen Supermärkte hierzulande nicht nur die Funktion des Lebensmittelbereitstellers übernehmen, sondern auch eine weitere Dienstleistung in ihr Sortiment übernehmen: Die des Reiseveranstalters.
Zumeist kann sich der normalsterbliche Bürger über Urlaubsangebote freuen, die nicht von diesem Planeten sind.
In der letzten Ausgabe der Reisezeitschrift „Pack’n’go“ von Penny Markt durfte sich unsereins wieder über einzigartige Reisevorschläge freuen. Eine Karabik-Kreuzfahrt um geschenkte 999 €, 8-Tage Fuerteventura im Magic Life Club um sagenhafte 599 € oder ein faszinierendes Wochenende in Budapest um atemberaubende 75 €.
Wie? Diese Angebote hauen Sie noch nicht vom Hocker? Keine Sorge, Penny Markt ist immer für eine Überraschung gut. Denn „mit uns kommt jeder günstiger weg!“ Also dann: Schenken Sie magische Momente. Weihnachten steht ohnehin vor der Tür. Penny Markt bietet eine unvergessliche Reise ins Weltall an. Erleben Sie „Sterne zum Greifen nah.“ In der Traumreise inkludiert: Flug zum Spaceport in den USA, 5-Hotelübernachtungen mit Vollpension, Tauglichkeitstraining, persönlich zugeschnittener Flugoverall, umfangreicher Flugkoffer u.a. mit Digital-Kamera und MiniDV-Videokamera, 40-minütiger Weltraumflug mit VIP-Platz, After-Flight-Party und die gewohnt unschlagbare Penny-Kampfpreis-Garantie.
Und das alles zum Schnäppchen-Preis von nur 209.555 € pro Person.
Also wenn hier nicht das perfekte Zielpublikum erreicht wurde!
Weitere Informationen
Penny Markt Pack’n'go Homepage
Add comment November 4, 2009
Über Katzen, Butterbrote und Eintagsfliegen (eine gewollte Ausschweifung)

Quelle: Flickr/Gail S (cc-license)
Katzen haben die Gabe, niemals auf dem Rücken zu landen. Bei Butterbroten verhält es sich da anders. Die beschmierte Seite landet überdurchschnittlich häufig auf dem Boden. Diese Nobelpreis-verdächtige Beobachtung hat einen Mitmenschen dazu veranlasst, einer Katze ein Butterbrot auf den Rücken zu binden und sie dann aus dem Fenster zu werfen. Was ist passiert? Sie fliegt heute noch.
Aber Spaß beiseite, haben Sie auch schon öfter daran gedacht mal eine Eintagsfliege sein zu wollen? Eh nur für einen Tag, danach ist ohnehin Schluss. Traurig, nicht? Außer natürlich Sie rauchen nicht und trinken jeden Tag brav einen Smoothie. Dann können es schon einmal ganze vier Tage sein. Auch nicht wirklich bessere Aussichten, ich weiß. Aber doch erträglicher als das triste Dasein eines Butterbrotes.
Am besten also eine Katze sein. Wie praktisch wäre das, niemals auf den Rücken fallen zu müssen! Eine Blütezeit der Kopfstände sozusagen. Der einzige Haken: Katzen machen definitiv keinen Kompensationsflug! Was das sein soll? Ein gratis Flug der AUA um den ständigen Streckenstreichungen entgegenzuwirken? Ganz falsch! Das ist die Strecke, die unsere geliebten Eintagsfliegen gegen die Fließrichtung des Wassers zurücklegen, um ihre Eier zu legen und so der Verschiebung des Lebensraumes vorbeugen. Ziemlich intelligent, wie? Eine Eintagsfliege müsste man halt sein, sag ich doch.
Add comment Oktober 13, 2009
Verantwortung übernehmen!
Diesmal ein Appell an alle Menschen, die wert darauf legen, dass unsere Kinder und Enkel einmal in einer Welt aufwachsen, die nicht von einer Umweltkatastrophe in die nächste schlittert. Denen es am Herzen liegt der eigenen Umwelt verantwortungsvoll gegenüber zu treten.
Keine Frage: Veränderung geschieht nicht auf Knopfdruck. Es ist ein langwieriger, holpriger Prozess, der viel Durchhaltevermögen verlangt. Aber gemeinsam ist es möglich die Katastrophe zu unterbinden.
Folgendes Video veranschaulicht auf überzeugende Art und Weise, was eigentlich auf dem Spiel steht
2gewinnt ist für ein eigenes Klimaschutzgesetz in Österreich!
Weitere Informationen:
Homepage Global 2000
UN-Klimakonferenz in Kopenhagen – Wikipedia
Warum Klimaschutzgesetz für Österreich – Global 2000
Add comment Oktober 8, 2009
Schwer verdaubare Kost
Trotz ausgesprochen vorzüglicher einheimischer Küche, ist einem manchmal zum Kotzen zu Mute. Bestimmte österreichische Vorgehensweisen schlagen einfach auf den Magen.
Um diesem Problem vermutlich frühzeitig einen Riegel vorzuschieben, hat es sich neuerdings unsere Polizei zur Aufgabe gemacht, die Supermärkte vor ungewollten Gästen feuerstark zu beschützen. Auf das ja keiner mehr „Bauchi-Weh-Weh“ haben muss. Wenn also ein Besuch im nächstgelegenen Lebensmittelgeschäft ihres Vertrauens eine ähnliche Gefahr in sich birgt, wie ein Stadtrundgang in Teheran, hilft nur mehr das Fasten.
Aber mal ehrlich: jugendlicher Leichtsinn, eine unvorhersehbare Stresssituation, nicht ausreichende Schulung der Polizisten und ein unglücklicher Waffengebrauch. All das kann passieren, wenn Menschen im Spiel sind.
Was aber in diesem speziellen und äußerst tragischen Vorfall nicht übrig bleiben darf: eine zutiefst schiefe Optik.
Da ist einerseits der 16-Jährige Mittäter, der trotz zweifacher Schusswunde sofort zu dem Fall befragt wird und vorsichtshalber in Untersuchungshaft kommt. Der Grund: Wiederholungsgefahr.
Da ist weiters eine verzweifelte Mutter, die außer über die Nachricht des Todes ihres Sohnes keine weiteren Informationen zu den Vorfällen erhält – die Einsicht in die Akten wird ihr aus Angst vor verfrühter Informationsweitergabe an Boulevardmedien verwehrt.
Und da gibt es andererseits zwei Polizisten. Keine Aussage. Erst nach den Schilderungen des 16-Jährigen melden sie sich zu Wort. Der Grund: Schockzustand.
Der Fall ist noch lange nicht geklärt. Aber die Art und Weise wie die Tat aufbearbeitet wird, lässt nichts Positives vermuten. Es wäre an der Zeit sich mögliche Fehler einzugestehen, vor allem im Hinblick auf die Zukunft. Das äußerst dubiose „Herumwurschteln“ fällt nämlich immer auf einen selbst zurück.
Add comment August 11, 2009
Eine schlechte Welt und keine Hoffnung auf Besserung

Quelle: 2gewinnt
Die Welt ist eine Kloake. Kein schöner Einstiegssatz, aber einer mit hohem Wahrheitsgehalt. Niemand würde auf dieser moralischen Müllhalde, die sich Erde nennt, freiwillig leben wollen. Wir sind dazu gezwungen, eine andere Wahl haben wir nicht. Umso irrationaler ist unser Umgang mit uns selbst und unseren Ressourcen.
Jedoch ist die Erkenntnis über den katastrophalen Zustand unserer Welt und der Gesellschaft weniger beängstigend als die Tatsache, dass wir nichts daran ändern können. Es ist richtig gegen rechte Umtriebe, Intoleranz und Hetze seine Stimme zu erheben. Genauso wie gegen ein menschenfeindliches und untragbares Wahlfälscher-Regime auf die Straße zu gehen. Aber ändern wird man dadurch mittel- oder langfristig gar nichts. Es gibt auch keine Möglichkeit die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Weder durch einen friedlichen Diskurs noch durch Gewalt. Letzteres ist generell mit aller Schärfe abzulehnen, denn mit Gewalt werden keine Probleme gelöst sondern lediglich neue geschaffen und mehr Gewalt erzeugt.
Es liegt offensichtlich in der Natur des Menschen in einem inhumanen Biotop der Scheußlichkeit leben zu wollen. Änderung ist unmöglich, es gibt keine Lösung, keine Hoffnung auf eine so genannte „bessere Welt“.
Man sollte sich nicht die Frage stellen wie man etwas verändern kann. Sondern vielmehr wie es so weit kommen konnte, dass eine Veränderung dringend notwendig wäre. Setzt man sich einmal mit dieser Fragestellung auseinander, ist jeder Versuch der positiven Veränderung hinfällig und bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt.
Add comment Juni 24, 2009
Gedenken an die Opfer im Iran
Irgendwann ist genug. Spätestens dann, wenn unschuldige Menschen hinterhältig ermordet werden. Neda, das junge Mädchen, dass mitten auf den Straßen Teherans in den Armen ihres Vaters durch einen Schuß verblutet, steht jetzt als Symbolfigur für all die Opfer, die die Demonstrationen rund um den Wahlskandal im Iran gefordert haben. Was muss aber noch geschehen, damit internationale Hilfe geleistet wird? Wie viele Menschen müssen noch auf öffentlichen Straßen ihr Leben lassen? Worauf wartet die internationale Gemeinschaft?
2gewinnt möchte den Opfern der Ausschreitungen gedenken. Jeder Mensch, der sich in diesen Tagen im Iran auf die Straße begibt, um gegen die grauenhaften Machenschaften zu demonstrieren, ist bereits ein Held. In Zeiten wie diesen zählt Zusammenhalt mehr als alles andere. Damit Menschen wie Neda nicht umsonst ihr Leben gelassen haben.
Add comment Juni 23, 2009
Ganz recht!

Quelle: Flickr/cyanocorax (cc-license)
Vor kurzem wurde ich gefragt wo Österreich eigentlich genau liege. Als Antwort gab es ein knappes „Rechts, weit entfernt von der Mitte“. Geographie war nie meine Stärke, dennoch ist dies eine zulässige Auskunft. Hierzulande ist Rechts der Mainstream und äußerst lässig. Im Ausland würde man vieles was hier geschieht als „Rechtsextrem“ bezeichnen. Aber was wissen schon Ausländer?
Dass alles rechtens ist zeigt auch der Alltag.
Die linke Spur im Straßenverkehr ist verpönt. Diese ist nur etwas für Gutmenschen und Mulitkulti-Träumer. Pfui! In der Regel ist sie kaum befahren, denn wer was auf sich hält, also ein echter Patriot ist, fährt und überholt rechts (Was viele nicht wissen: rechts Überholen ist in Österreich verboten!). Da nimmt man auch regelmäßig stundenlange Staus in Kauf, solange man der linken Seite fernbleiben kann. Mittlerweile versuchen bereits Verkehrswissenschaftler eine Straße die ausschließlich aus Rechtsspuren besteht zu entwickeln. Sie befindet sich noch in der Testphase.
In den Öffentlichen Verkehrsmitteln sieht das Bild nicht anders aus. Für Gewöhnlich drängen sich alle Fahrgäste auf die spärlich gesäten Sitze auf der rechten Seite. Wer links sitzt ist link(s). Infolgedessen werden Züge und Busse seit kurzem linksseitig mit Gewichten und übergewichtigen Gutmenschen bestückt um ein Umkippen seitwärts zu verhindern.
Auch in der Schönheitschirurgie ist ein entsprechender Trend zu erkennen. Immer mehr junge Menschen lassen sich den Herzmuskel um einige Zentimeter nach rechts verpflanzen. Damit ihr Herz von nun an am rechten Flecke schlägt.
Aber selbst ich bin vor solchen Tendenzen nicht gefeit. Ich habe mir vor kurzem meine linke Körperhälfte entfernen lassen. Das hat zwei Vorteile: erstens habe ich schlagartig 50 Prozent meines Körpergewichts verloren (meiner Mager-Modellkarriere steht nichts mehr im Weg) und zweitens fällt das kritische Denken weg – mit einer Gehirnhälfte lebt es sich einfacher. Letztendlich will man doch auch nur dazugehören.
4 comments Mai 28, 2009
