Cornelius aus Kärnten


Quelle: Flickr/annia316 (cc-license)

Kärntner sein ist nicht leicht. Ständig wird man Opfer von Diskriminierung, Hänseleien und Diffamierungen. Deswegen verlassen Kärntner (verständlicherweise) nur ungern ihr Bundesland. In der Volksschule hatte ich einen Schulkollegen der mit vier Jahren nach Wien immigrierte. Er war auf eine unangenehme Weise extrovertiert und wirkte irgendwie stets angeheitert. Seine Eltern gaben ihm abends vorm Einschlafen zwei bis drei Liter Weinbrand – offiziell als Arznei gegen chronische Zahnschmerzen. Jedoch gilt es als wahrscheinlicher, dass dieser eher der Bekämpfung der beginnenden Depressionen galt.
Denn im Schulalltag hatte es Cornelius (Name von der Redaktion geändert) nicht einfach. Er torkelte täglich mit einigen Stunden Verspätung in die Schule und wenn er nicht gerade den Unterricht störte indem er sich in den Schoss seines Sitznachbars übergab, grölte er zusammenhangslose Wortartefakte die keiner so richtig verstand. Ich glaube er versuchte die Schönheit des Wörthersees anzupreisen. Was ein wenig irritierte, da er doch, aus finanziellen Gründen, Zeit seines Lebens Nichtschwimmer war. In der großen Pause versuchte er erfolglos einen seltsamen Kakao-Witz zu erzählen. Schaffte es aber nie so richtig, da er entweder die Pointe vergaß oder mitten in der Erzählung einschlief.

Cornelius verbrachte so viele Nachmittage bei der Schulpsychologin, dass Frau Stauden zur seiner einzigen Freundin wurde. Niemand wollte etwas mit dem Sonderling zutun haben. Im Turnunterricht wurde er stets als letzter Spieler in die Völkerballmannschaft gewählt und als erster abgeschossen – von den eigenen Teamkollegen, meist ein Treffer ins Gesicht oder die Weichteile.

Heute ist Cornelius knapp 40 (er wurde sehr spät eingeschult) und hat 19 gescheiterte Entzüge und drei Scheidungen hinter sich. Außerdem lebt er wieder in Kärnten. Leider weit unter der Armutsgrenze und ohne Chance auf einen Heimplatz auf der Saualm. Obwohl er doch so lange in Wien lebte und somit automatisch eine Gefährdung für die Kärntner Bevölkerung darstellt. Doch einen Silberstreifen am Horizont gibt es, denn mittlerweile kommt er mit seinem Kakaowitz so gut an, dass Cornelius momentan mit den Gedanken spielt sich als Gagschreiber für den Landeshauptmann umschulen zu lassen. Aber erst einmal den Wahlsonntag abwarten. Denn nicht jeder Politiker hat Sinn für Humor.

Homajon

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2 Gedanken zu “Cornelius aus Kärnten

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