Die unerotischen Tagebücher des David H. – Teil 2

Liebes Tagebuch,

es ist lange her, seit ich dir das letzte Mal geschrieben habe. Ich bitte um Verzeihung. Aber mein Leben war in den letzten 14 Monaten die Hölle auf Erden. Und damit meine ich nicht die nette Hölle mit einem witzigen Belzebub, der als gescheiterter Standup-Comedian Fäkal- und Analwitze erzählt. Womit wir aber beim Thema wären. Ich erkrankte überraschend an einem inoperablen Brechdurchfall. Ein seltener Virus der normalerweise nur kastrierte Hausschweine befällt. Also saß ich tagein tagaus auf meinem Lokus ohne Wasserspülung, erbrach und stuhlte, dass es jeder Beschreibung spottete. Du weißt, liebes Tagebuch, seit dem Unfall mit der Schuhputzmaschine und der darauf folgenden missglückten OP, sind bei mir Darm und Speiseröhre vertauscht. So erbrach ich aus meinem Anus und stuhlte aus dem Mund. An den Geschmack gewöhnt man sich relativ rasch aber die Sauerei auf der Toilette trocknet schneller ein als man vermutet. Hat etwas von dadaistischer Kunst.

Mein WC (eigentlich nur C, denn eine Wasserspülung ist mir wie erwähnt nicht vergönnt) ist dermaßen klein, dass kein Kübel für die oralen Ausscheidungen Platz finden würde. Die Kosten dafür würden mich ohnehin auffressen und einen zweiten Kredit nach meiner gescheiterten Online-Poker-Karriere kann ich mir bei Gott nicht leisten.
Da saß ich also knietief im getrockneten Eigenkot, dem Dehydrationstod gefährlich nahe. In solchen Momenten danke ich Mutter Natur für meinen wohl schmeckenden Urin (zuckersüß dank Diabeteserkrankung). Meine Beinmuskulatur verkümmerte aufgrund der fehlenden Bewegung und der Verstand spielte mir Streiche. Ich sah oft stundenlang die Dunkelheit am Ende des Lichts, obwohl ich eigentlich nachtblind bin, von meiner Lichtallergie ganz zu schweigen.

Gerettet wurde ich vor zwei Tagen, keine Sekunde zu früh. Der wilde Joe und Nasenbrecher-Norbert besuchten mich wieder einmal unangekündigt. Die beiden sind zwar schwer geistesgestörte und äußerst brutale Schuldeneintreiber aber für mich sind sie schon lange so etwas wie gute Freunde. Nachdem sie mich aus dem stinkende Morast zogen, brachen sie mir die Kniescheiben (das ist ihr Job und die einzige Möglichkeit ihre Gefühle für mich zu artikulieren) und schleuderten mich in hohen Bögen in mein von Moos überwachsenes Wasserbett.

Liebes Tagebuch ich hoffe du verzeihst mir meine Abwesenheit. Ich verspreche dir ab nun wieder regelmäßig zu schreiben. Aber jetzt heißt es erstmal die Schweißfüße hochlegen und hoffen dass mein Körper die neuen Iltis-Knie nicht abstößt.

Alles Liebe,
David

Relevante 2gewinnt-Beiträge
Die unerotischen Tagebücher des David H. – Teil 1
Klappentextschreiber machen nachts ins Bett
Der Klappentext als Kunstform

Homajon

Ein Gedanke zu “Die unerotischen Tagebücher des David H. – Teil 2

  1. Matthias Glanznig sagt:

    Eigentlich hätten Anus und Mund doch jeweils einen eigenen Beitrag verdient. Dass du die zwei einfach so in einen vollgeschissen/gekotzten Topf wirfst, haben sie eigentlich nicht verdient. Aber gut, die Poesie der Wortwahl macht das wieder wett und davon abgesehen ist es ein schön darmgiebiger Text. Ui, jetzt muß ich doch glatt auch auf den Lokus, so inspirierend war das :)).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s